Beschreibung des Schulhauses in Thalmassing zur damaligen Zeit (1865)
(königl. Baubehörde Regensburg1)

Das Schulhaus zu Thalmassing liegt nach dem Situationsplane, den Grundplänen und dem Querschnitt westlich der Kirche beim Eingang zum Kirchhofe und ist an den höher gelegenen Kirchhof angebaut. Es besteht aus einem größeren Vorder- und einem kleineren Hinterbaue, welche beide gegenwärtig zwei Stockwerke haben.
Nach Augenschein, welcher sich durch eingezogene Erkundigungen als richtig erwies, war das Ganze ursprünglich einstöckig und bildete der rückwärtige kleinere Anbau die Stallung. ...
In dem umfassenden Gutachten der kgl. Bauinspektion von 1838 wurde damals schon begründet, dass das Gebäude in keiner Weise den Zwecken entspreche, dass das Gebäude zu feucht, und eine Abhilfe nicht leicht zu bewerkstelligen sei. Diese damals schon vorhandenen Mängel sind im Verlauf von fast 30 Jahren zu großen Gebrechen herangewachsen, sodass nicht leicht ein gleich schlechtes Gebäude dieser Bestimmung aufgefunden werden kann.

Das im Erdgeschoße 1,75 Schuh und über eine Stiege 1,5 Schuh stark aus Bruchsteinen erbaute Gebäude ist augenfällig schlecht fundiert, schlecht gemauert und mit Mörtel aus lehmigem Sande hergestellt und verputzt, in Folge dessen die Mauern durchaus stark zerklüftet, der Verputz teilweise locker, teilweise herabgefallen ist und das ganze Haus das Gepräge der Gebrechlichkeit zur Schau trägt. Die sämtlichen Fenster und Türen des Hauses sind total defekt und nur notdürftig ausgebessert.
Was nun die einzelnen Piecen des Hauses betrifft, so zeigt sich,

1a) im Erdgeschoße

a) im großen Schulzimmer,

dass der Fußboden auffällig vermodert ist und mehrfache Löcher hat; dass die Weißdecke ganz stark eingebogen, zersprungen und teilweise in jüngster Zeit ergänzt ist, weil dieselbe herabgefallen war.
Es ruht nämlich auf diesem Deckengebälk eine Zwischenwand der Wohnung des Lehrers und ein unverhältnismäßig großer Kochofen mit schwerem gemauerten Untersatz im Wohnzimmer, welche Belastung in diese starken Biegungen des wahrscheinlich schadhaften und nicht kräftig konstruierten Gebälks hauptsächlich veranlassten und gefahrdrohend machen.
Die Etagenhöhe beträgt nur 7,1 Schuh (ca 2,13m), die fünf Fenster haben je 2,75 Schuh (ca 0,83m ) Höhe und 2,5 Schuh (ca 0,75m) Breite im Lichten. Die Grundfläche des Zimmers beträgt 500 Schuh im Quadrat.
Der Kachelofen wäre hinreichend groß, ist aber sehr schadhaft. Die Wände sind feucht und uneben, das Zimmer ist dumpfig.

b) Das kleine Schulzimmer

hat nur eine Grundfläche von 230 Schuh im Quadrat, bei 7,1 Schuh lichter Höhe (ca. 2,13m), zwei größere dreiteilige 3 1/2 Schuh (ca. 1m) hohe Fenster gegen Westen und ein kleineres 2 Schuh (ca.0,60m) gegen Norden.
Bei der seitherigen Unzulänglichkeit des Raumes wurde ein transportabler gusseiserner Windofen aufgestellt. Der Fußboden ist noch schlechter als im großen Schulzimmer. Die Weißdecke ist gefahrdrohend herabgebaucht, die Deckenbalken sind augenfällig verfault, so dass an der Ost- und Nordseite des Schulhauses bereits ein Bockgerüst eingestellt werden musste. Sämtliche Wände sind feucht, besonders aber die östliche, an den Kirchhof anschließende, welche bereits früher mit Brettern verschlagen wurde. Diese Verschalung ist jedoch verfault und lässt die schädlichen, ekelerregenden Nässigkeiten und verschiedenes Ungeziefer durch.
Dieser Raum, in dem seither über 100 Kinder untergebracht und unterrichtet werden, sollte für eine Stallung als unbrauchbar bezeichnet werden.

c) Der Gang

Der zu diesem kleinen Schulzimmer führende Gang ist 7 Schuh hoch ( ca 2,10m) und mit total ausgetretenen Backsteinen belegt und nur durch ein kleines Fensterchen und durch die Haustüröffnung beleuchtet. Die an den Kirchhof anschließende östliche Wand lässt Feuchtigkeit und verschiedenes Ungeziefer durch und sind diese Nachteile besonders bei feuchten Witterungsfolgen stark hervortretend.

 1b) Der zweite Stock

Die Etagenhöhe beträgt 9,15 Schuh (ca 2,75m) im Lichten. Die daselbst befindliche Wohnung des Lehrers umfasst:
a) das Wohnzimmer mit 367 Schuh im Quadrat, gegen Süden ist gelegen. Der Fußboden ist, der
    Ausbauchung der Weißdecke des darunterliegenden größeren Schulzimmers entsprechend, stark
    eingebogen und ziemlich mangelhaft. Die Decke ist zersprungen und schadhaft. Die vier Fenster
    a 3 Schuh breit und 4,2 Schuh hoch im Lichten und die Türen sind sehr beschädigt. Der zu schwere
    Kochofen sollte schleunigst abgebrochen und ein leichter konstruiert werden.
    Dieses Zimmer ist außerdem ziemlich trocken und wohnlich.

b) die Kuchl ohne direkte Beleuchtung 90 Schuh im Quadrat Grundfläche. Sie ist klein und finster und
    nur zu untergeordneten Zwecken benutzbar

c) eine unbeheizbare Kammer mit 90 Schuh im Quadrat Grundfläche. Sie dient als Schlafzimmer, ist
    ziemlich trocken, aber viel zu eng.

d) das vom Lehrer erbaute, über dem kleinen Schulzimmer befindliche beheizbare Zimmer mit 247
    Schuh im Quadrat. Das Zimmer ist ziemlich feucht. Wände und Boden sind mangelhaft, Türen und
    Fenster schadhaft.

e) der Vorplatz mit Stiegenhaus mit 144 Schuh im Quadrat. ist genügend und die feuchte östliche Wand
    ist nur in zweiter Linie schädlich, die beiden Fenster daselbst sind sehr schadhaft.

f) das Gehilfenzimmer, unheizbar, wegen Mangel an Raum für den Ofen, mit 66 Schuh im Quadrat, ist
   nicht nur äußerst eng, sondern auch feucht und dumpfig und wäre höchstens für die Speis geeignet.

Die Etagenstiege ist stark ausgetreten, die Bodenstiege noch etwas besser und durch einen Verschlag mit Türe abschließbar zum Vorplatz.
Der Dachstuhl des Vorderbaues ist mittelmäßig, die Dachung doppelt mit Ziegeln hergestellt, und wird dieser Raum als Requisiten-Lokal vom Lehrer benützt, da die zweite Stube über dem kleinen Schulzimmer zu feucht ist, ein anderer Raum aber nicht gegeben ist. Der Dachraum über dem kleinen Anbau dient zum Aufbewahren von Getreide.
Der Dachstuhl ist in ganz einfacher Weise von Rundholz konstruiert, die Eindeckung von Schindeln.
Das Gebäude hat für jede Etage einen schlüpfbaren Kamin, der im Dachraum in einen vereiniget und auf Holz geschleift ist. Der Kamin ist so schadhaft, dass nach Augenschein der Rauch durchdringt und den Dachraum erfüllt, weshalb sogleich auf momentane Reparatur gedrungen werden musste und ein Umbau dieses Kamins in nächster Zeit vorgenommen werden müsste, wenn das Gebäude noch längere Zeit benützt würde.

2) Die Abtritte

a) Der von Holz neben den Schweineställen ganz einfach errichtete Abtritt für den Lehrer befindet sich,
    sowohl des Brunnens, als des Kirchweges halber in ganz unschicklicher Lage und ist selbst dem Verfall
    nahe.

b) Die gleichfalls ganz einfach aus Brettern zusammengesetzten Abtritte für die Schulkinder sind nach
    ihrer Entfernung vom Schulhause und der öffentlichen Lage halber ungünstig situiert und schon
    ziemlich gebrechlich.

3) Der Backofen

Dieses Gebäude ist bereits halb zerfallen, im dermaligen Zustand demnach nicht mehr benutzbar und auch keine Instandsetzung mehr wert. Ein Neubau dürfte aber an diesem Platze kaum mehr geführt werden dürfen.

4) Der Keller

Der in den Kirchhof eingegrabene und lediglich vom Erdreich überdeckte Keller ist solide gebaut und überwölbt und hat bis dato vollkommen entsprochen.

5) Der Stadel

Der vom Lehrer aus eigenen Mitteln von Holz erbaute, mit Brettern verschlagene und mit Schindeln eingedeckte Stadel ist ziemlich altersschwach und gebrechlich, während die Schindeleindeckung ganz verfault ist. Der Stadel bedarf bei seiner Benützung einer Hauptreparatur, die Dacheindeckung wäre zu erneuern und mit feuersicherem Material zu bewerkstelligen. Der im Stadel eingebaute Kuhstall hat gemauerte Wände ohne Verputz und auch einen Bretterbelag über dem sichtbaren Gebälk. Der Stall ist sehr niedrig und entspricht nur notdürftig seinem Zwecke. Die von Holz angebauten Schweineställe sind gleichfalls sehr alt und baugebrechlich.

6) Der Brunnen

Der Pumpbrunnen hat brauchbares Wasser und ist gegenwärtig in gutem Zustande.
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